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Trauerrede für Nicolas G. Hayek

von Dr. Josef Ackermann

Dr. Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank

Liebe Frau Hayek, liebe Familienangehörige,

Wir nehmen Abschied von Nicolas Hayek, der so überraschend und plötzlich verstarb. In dieser Stunde fühlen wir vor allem mit Ihnen, verehrte Familie Hayek. Der Tod von Nicolas Hayek erfüllt uns mit Schmerz und Trauer.

Der Tod eines Menschen, der sich Zeit seines Lebens nicht zur Ruhe gesetzt hat. Trotz seines hohen Alters war er seinem Unternehmen bis zuletzt sehr nahe, hat mitdiskutiert und auch immer wieder neue Vorschläge, Ideen und Gedanken eingebracht – in sein Unternehmen und die Gesellschaft gleichermassen. Seine Impulse, seinen Rat und seine Fähigkeit, Dinge immer wieder neu zu denken und seinen Mut, diese dann auch auszusprechen, werden wir in Zukunft sehr vermissen.

Als ich ein junger Banker war, lud er mich einmal in sein Büro zu einem Mittagessen ein. Wir diskutierten darüber, was man in der Welt verbessern könnte. Nicolas Hayek sprang ständig auf, um seine Ideen auf ein Flipchart zu zeichnen. Es faszinierte mich, wie dieser Mann gleichzeitig essen, diskutieren und kreativ sein konnte. Ich habe dies für mich als Vorbild genommen und hatte danach für viele Jahre selber ein Flipchart in meinem Büro.

Nicolas Hayek besass einen bewundernswerten Innovationsgeist. Detailversessen und mit grossem Elan entwickelte er sich und seine Ideen nach vorne. Nie verlor er dabei das grosse Ganze aus dem Blick. Er war ein Visionär, der es verstand, getrieben von einem unerschütterlichen Vertrauen in Menschen und Technologien, auch andere von seinen Ideen zu überzeugen und mitzureissen. Immer voll präsent und mit grossem Einsatz war er ein hervorragender Teamleiter, Koordinator und Motivator, ja Integrator zugleich.

Er war ein unruhiger Geist, der mit grossem Interesse Veränderungen verfolgt und sie mit seinen Gedanken und Vorstellungen abgeglichen hat. Obschon immer getrieben von einer positiven Impulsivität war er doch auch ein sehr guter Zuhörer. Mit sachlichem und neugierigem Blick beobachtend, dachte er nach und stellte Fragen.

Unter der Führung von Nicolas Hayek wuchs die Swatch Gruppe zum weltgrössten Uhrenkonzern heran. Bei allem Tun und Schaffen, wie es sich für einen Unternehmer gehört, und bei dem überragenden Erfolg, den er damit erzielte, liess er sich nie von seiner Überzeugung beirren, dass Unternehmensführer stets verantwortlich zu handeln haben. Er kannte keine Hierarchiegrenzen, machte keine Unterschiede zwischen «den Grossen und Kleinen».

Treiben liess er sich in den letzten Jahren nur von seiner Vision, einen nachhaltigen und sauberen Energieverbrauch für jedermann zu ermöglichen. So führte Nicolas Hayek eines Tages den gesamten Verwaltungsrat von Belenos von einem Konferenzraum im Obergeschoss des Gebäudes in sein über einige Stockwerke tiefer gelegenes Büro, weil dort ein klitzekleines Modell von der Brennstoffzelle stand, die ein kleines Windrad angetrieben hat. Um allen zu zeigen: Es geht!

Es war ein grosses Glück, Nicolas Hayek kennen gelernt zu haben und über einen so langen Zeitraum zusammen mit ihm an ganz unterschiedlichen Vorhaben gearbeitet zu haben. Er wird mir in seiner menschlichen Grundhaltung, seinem Pflichtbewusstsein, seiner Suche nach Neuem und Besserem immer ein Vorbild sein. Seine Fähigkeiten werden uns fehlen.

Den Menschen Nicolas Hayek werden wir schmerzlich vermissen.

 

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