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2008
Nach einjähriger Schliessung ist das Petit Trianon für das Publikum wieder geöffnet
Geleitwort von Jean-Jacques Aillagon Präsident des «Etablissement public du musée et du domaine national de Versailles».
Nach einjähriger Schliessung kann das Petit Trianon seinen Besuchern zurückgegeben werden. Dank einer anspruchsvollen und gekonnten Restaurierungskampagne erstrahlt es in seinem früheren Glanz. Die Arbeiten fanden unter der gemeinsamen Leitung des Chefarchitekten der «Monuments historiques», Pierre-André Lablaude, und des Konservatorenteams des Musée national des châteaux de Versailles et de Trianon statt. Das letztere Team wird mit Umsicht geführt von Pierre Arizzoli-Clémentel, dem wir die prachtvolle Ausstellung Marie-Antoinette verdanken, die er kürzlich zusammen mit Xavier Salmon betreut hatte.
Obwohl das Petit Trianon unter Ludwig XV. errichtet wurde, gewann es erst unter seinem Nachfolger, Ludwig XVI., der es seiner Gemahlin Marie-Antoinette schenkte, seine Persönlichkeit in einem Ausmass, dass es den Geschmack der Königin – deren verschlungene Initialen die schmiedeeisernen Geländer der grossen Treppe schmücken – in vollkommener Weise verkörpert. Die Ausstellung Marie-Antoinette im Grand Palais ebenso wie die Wiedereröffnung des Trianon bieten damit ein breites Feld, um die modischen Strömungen der dekorativen Künste am französischen Hof zu Ende des 18. Jahrhunderts zu bewundern und zu studieren. Sie zeugte denn auch von dieser Perfektion und gekonnten Manier, die charakteristisch für das «schöne Jahrhundert Frankreichs» ist, das die Welt bis heute beeindruckt und bezaubert.
Das Petit Trianon, der Hameau de la Reine oder Weiler der Königin und das Ensemble dieses vom Publikum so geschätzten Schlossguts von Marie-Antoinette zeugen ebenso wie die «Petits appartements» in Schloss Versailles von dem köstlichen Augenblick in der Geschichte der französischen Monarchie, in dem die Könige und Fürsten das Glück eines enfacheren, «normaleren» Lebens suchten. Unter Ludwig XIV., dem Sonnenkönig, hatte sich die Monarchie nie der täglichen Verpflichtung ihrer eigenen Inszenierung und Repräsentation zu entziehen gesucht. Der König wollte kaum sich selbst, sondern «dem Publikum gehören».
Seine Nachfolger strebten nach mehr Intimität, einem Privatleben, Musse und einem Lebensstil, der mehr dem eines Grandseigneurs entsprach als jener des Sonnenkönigs. Dessen höfische Etikette war von derjenigen am spanischen Hof geprägt, mit dem ihn so viele familiäre Beziehungen verbanden. Sie diktierte den Tagesablauf, selbst wenn der König sich ins Grand Trianon oder nach Marly zurückzog. Auf eine gewisse paradoxe Weise sollte der Wunsch, mit den sakralisierten höfischen Codes des Grand Siècle von Ludwig XIV. zu brechen, das monarchische System «à la française» schwächen, ja gar zum Untergang verdammen. Denn die Revolution des Lebensstils wurde nicht wie in England von einer tiefgreifenden Erneuerung der politischen Institutionen begleitet. Dieses Dilemma sollte die Französische Revolution lösen, und zwar auf radikale Weise. Das Petit Trianon, das die Königin am 5. Oktober verlassen hatte, als die aufgebrachte Pariser Menge gegen Versailles zog, um «vom Bäcker, der Bäckerin und dem kleinen Bäckerjungen» Brot zu fordern, zeugt damit nicht nur von der Geschichte des Geschmacks und Lebensstils des Adels sowie der Geschichte der Künste, sondern auch von den sozialen und politischen Gegebenheiten Frankreichs im ausgehenden 18. Jahrhundert und der «Geschichte der Mentalitäten», mit der sich die von Jacques Le Goff initiierte Richtung der französischen Geschichtsschreibung in den letzten Jahrzehnten verstärkt beschäftigte.
Man sieht, die Restaurierung des Petit Trianons ist ein aussergewöhnliches Ereignis. Es wurde möglich dank der Grosszügigkeit eines Mäzens, der Gesellschaft Montres Breguet, und der Passion des Präsidenten dieses Unternehmens, Nicolas G. Hayek. Er stellte mehr als fünf Millionen Euro für diese grosse Aktion zur Verfügung. Diese Mittel ermöglichten es, dem Petit Trianon von Marie-Antoinette nicht nur seinen Glanz zurückzugeben, sondern es auch noch mit den notwendigen technischen Ausrüstungen für Sicherheit und reibungslosen Betrieb auszustatten. Versailles wird so durch die Wohltaten einer neuen Mäzenatsaktion bereichert. Sie wurde durch eine Vereinbarung besiegelt, die am 13. Juni 2006 durch Nicolas G. Hayek, Präsident und Generaldirektor von Breguet, Arlette-Elsa Emch, Mitglied des Verwaltungsrats von Breguet, und Christine Albanel, meine Vorgängerin als Präsidentin der Staatlichen Verwaltung des Museums und nationalen Schlossguts von Versailles, unterzeichnet wurde. Sie ist heute abgeschlossen mit der vollständigen Wiedereröffnung dieses prachtvollen Lustschlösschens, im fünften Jahr des Gesetzes über das Mäzenatentum und die Stiftungen vom 1. August 2003, das ich selbst in meiner Funktion als Minister für Kultur und Kommuniktion dem Parlament zur Abstimmung unterbreitet hatte. Dieses Gesetz hat schöne Früchte getragen, und Versailles profitierte und profitiert sehr häufig von seinen Möglichkeiten. Besonders froh und zuversichtlich macht mich dies angesichts des Interesses anderer potentieller Gönner für neue Arbeiten in der Domaine de Marie-Antoinette, zum Beispiel im «Pavillon français», dem sich die American Friends of Versailles zugetan fühlen, oder auf dem «Belvédère» und in der «Maison rustique» de la Reine im Hameau.
Mögen jene, die noch zaudern, dem begeisterten und grosszügigen Beispiel von Nicolas G. Hayek folgen. Getreu der mehrhundertjährigen Geschichte von Breguet und offen für alle Neuerungen, mit Kühnheit und im Einklang mit unserer Zeit hat er dieses Engagement zugunsten eines geschichtlichen Erbes ergriffen, das der ganzen Menschheit gehört, und es mit hohem Anspruch, mit Effizienz und Leidenschaft zu Ende geführt. Mögen diese wenigen Zeilen, die seinen Einsatz würdigen, ihm auch ein Zeichen meiner Dankbarkeit sein.
Ehemaliger Kulturminister
Präsident des «Etablissement public du musée et du domaine national de Versailles»
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Nach einjähriger Schliessung ist das Petit Trianon für das Publikum wieder geöffnet



